Haar-Porosität bestimmen: High vs. Low Porosity und die richtige Pflege

Haar-Porosität bestimmen: High vs. Low Porosity und die richtige Pflege

Du kaufst die teuersten Lockenprodukte, aber deine Haare fühlen sich trotzdem entweder total trocken oder völlig überladen an? Der Grund dafür liegt meistens nicht am Produkt selbst, sondern an deiner Haar-Porosität.

Locken richtig kämmen: Wet Detangling vs. Trockenbürsten-Verbot Du liest Haar-Porosität bestimmen: High vs. Low Porosity und die richtige Pflege 5 Minuten

Kurzantwort

Die Porosität bestimmt, wie gut dein Haar Feuchtigkeit aufnehmen und speichern kann. Haare mit **geringer Porosität (Low Porosity)** haben eine extrem dicht geschlossene Schuppenschicht, die kaum Feuchtigkeit hineinlässt. Haare mit **hoher Porosität (High Porosity)** haben weit geöffnete Schuppen – sie saugen Wasser zwar blitzschnell auf, verlieren es aber genauso schnell wieder.

1. Was bedeutet Haar-Porosität eigentlich?

Die äusserste Schicht unserer Haare besteht aus mikroskopisch kleinen Schuppen, ähnlich wie bei einem Tannenzapfen. Die Porosität beschreibt den Zustand dieser Schuppenschicht. Sie entscheidet darüber, ob Pflegeprodukte überhaupt in das Innere des Haares vordringen können oder ob sie unverrichteter Dinge auf der Oberfläche liegen bleiben und das Haar beschweren.

Die Porosität kann genetisch bedingt sein, verändert sich aber auch durch äussere Einflüsse wie Hitze-Styling, Blondierungen, UV-Strahlung oder chemische Behandlungen.

2. Der Glas-Wasser-Test: Finde deine Porosität heraus

Um deine Routine perfekt anzupassen, musst du den Zustand deines Haares kennen. Nimm dafür ein frisch gewaschenes, trockenes Haar (ohne Stylingprodukte!) und lege es in ein Glas mit zimmertemperiertem Wasser. Warte etwa 3 bis 5 Minuten und beobachte, was passiert:

Das Haar schwimmt oben: Du hast **Low Porosity**. Die Schuppenschicht ist so dicht, dass das Wasser nicht eindringen kann, um das Haar nach unten zu ziehen.

Das Haar sinkt langsam in die Mitte: Du hast eine normale, ausgeglichene Porosität. Herzlichen Glückwunsch, dein Haar nimmt Pflege optimal auf.

Das Haar sinkt sofort zu Boden: Du hast **High Porosity**. Das Haar saugt sich durch die offenen Lücken blitzartig voll Wasser und geht unter wie ein Stein.

3. Low Porosity: Die Festung, die Wärme braucht

Wenn deine Locken sehr lange brauchen, um unter der Dusche komplett nass zu werden, und Produkte oft stundenlang wie ein klebriger Film auf den Haaren liegen, spricht alles für eine geringe Porosität. Schwere Öle oder reichhaltige Butter-Sorten verstopfen diese Haare komplett.

Die Geheimwaffe: Wärme! Nutze beim Einwirken deiner Kuren unbedingt eine Thermo-Wärmekappe. Die sanfte Wärme sorgt dafür, dass sich die hartnäckige Schuppenschicht öffnet, sodass feuchtigkeitsspendende, leichte Pflege (wie Produkte auf Wasser- oder Aloe-Vera-Basis) endlich tief einziehen kann.

4. High Porosity: Der Schwamm, der Proteine verlangt

Haare mit hoher Porosität trocknen nach dem Waschen meist in Rekordzeit, fühlen sich aber fast sofort wieder strohig an. Da die Schuppenschicht weit geöffnet oder beschädigt ist, verdunstet die Feuchtigkeit ununterbrochen.

Diese Locken lieben reichhaltige Leave-Ins und schwere Cremes, um die offenen Lücken mechanisch zu versiegeln. Zudem sind hydrolysierte Proteine hier ein absolutes Muss: Sie setzen sich temporär in die Risse der Schuppenschicht und reparieren die Struktur, damit das Haar die Feuchtigkeit überhaupt halten kann.

Deine Pflege-Strategie im Überblick

1
Porosität bestimmen
Mache den Glas-Wasser-Test, um herauszufinden, ob deine Schuppenschicht geöffnet oder geschlossen ist.
2
Strategie für Low Porosity
Nutze leichte, flüssige Produkte. Verwende beim Kuren immer Wärme (z. B. eine Thermohaube), um die Haare für die Pflege aufzuschliessen. Meide zu viele Proteine.
3
Strategie für High Porosity
Setze auf proteinreiche Kuren und reichhaltige Leave-Ins. Versiegle die Feuchtigkeit nach dem Stylen mit einem kalt ausgespülten Conditioner oder einem Haaröl, um die Schuppenschicht zu schliessen.

Häufige Fragen zur Haar-Porosität

Kann ein Kopf verschiedene Porositäten haben?

Ja, das ist sogar sehr häufig! Da unsere Spitzen viel älter sind und mehr Sonne, Reibung und Bürstenstriche erlebt haben als der frisch nachgewachsene Ansatz, sind die Spitzen meist deutlich poröser (High Porosity) als der Ansatz (Low oder Medium Porosity). Konzentriere reichhaltige Pflege und Proteine daher vor allem auf die Längen und Spitzen.

Verändert sich die Porosität durch eine Haarfärbung?

Absolut. Chemische Färbungen, insbesondere Blondierungen, brechen die Schuppenschicht gewaltsam auf, um die Pigmente im Inneren zu verändern. Nach einer chemischen Behandlung rutscht das Haar fast immer in den Bereich der hohen Porosität und verlangt danach intensiv nach Proteinen und tiefer Feuchtigkeitspflege.

Welche Rolle spielt die Wassertemperatur beim Waschen?

Warmes Wasser öffnet die Schuppenschicht, kaltes Wasser schliesst sie. Wer Low Porosity hat, wäscht am besten durchgehend warm. Wer unter High Porosity leidet, sollte den Conditioner zum Schluss unbedingt mit eiskaltem Wasser ausspülen, um die Feuchtigkeit im Haar einzuschliessen.

Fazit

Es gibt keine schlechte Porosität – es gibt nur die falsche Produkt-Strategie. Sobald du weiss, wie deine Schuppenschicht tickt, wirfst du kein Geld mehr für unpassende Produkte aus dem Fenster. Gib einer geschlossenen Schuppenschicht die nötige Wärme und flicke eine offene Struktur mit wertvollen Proteinen. Deine Locken werden es dir mit gesundem Glanz und perfekter Definition danken!